Künstlervita

Lisa-Joella Sommer

Das Licht der Welt erblickte ich an einem sonnigen Septembertag in den braven 50er Jahren in einem großen Haus direkt neben der Autobahn München-Nürnberg in Enkering im Altmühltal. Das Haus gibt es nicht mehr – es musste längst der neuen Autobahn weichen, die sich heute als breites Band den Kindinger Berg hinaufzieht. Die Anlauter jedoch, ein kleiner, quicklebendiger Bach, in den so manche Altmühl-Rad-Touristen ihre Füße zur Erfrischung reinhängen, plätschert nach wie vor durch das Dorf und anschließend durch die Autobahnbrücke und hat es eilig, sich ein paar hundert Meter weiter der Altmühl zu übergeben.

Als ich zwei Jahre alt war, zog meine Familie nach Greding. Ich wuchs in der Autobahnmeisterei auf. Hier hatten wir Kinder alle Freiheit der Welt - außer der Autobahn im Osten war das Haus von Wiesen, Gärten, Feldern und Wäldern umgeben. Nachteilig war lediglich, dass der Weg in die Stadt ziemlich weit war. In den Anfangsjahren konnten wir noch die Abkürzung quer über die Autobahn nehmen, um in die Stadt zu gelangen. Das war zwar damals schon strengstens verboten, war aber eine immense Abkürzung. Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen nur alle paar Minuten ein Auto kam.

Greding ist eine malerische Kleinstadt, deren Altstadtkern komplett von einer Stadtmauer umgeben ist. Diese hat 21 Türmchen und drei Stadttore. Ich erinnere mich noch gut daran, dass schon damals viele Touristen kamen, um die alten Gemäuer zu betrachten. Wir Kindern wunderten uns sehr, dass jemand daran Gefallen finden konnte.

Oft sahen wir Künstler, die die spätmittelalterlichen und barocken Gebäudeensembles und vor allem die Stadtmauer mit ihren reizenden Türmchen auf ihre Leinwand bannten. Es ist gut möglich, dass diese ersten Begegnungen mit Kunst für mich Inspiration waren.

Meine allerersten frühkindlichen Kreationen waren jedoch von ganz anderer Art: Mit braunen Kreidesteinen schabte ich Malereien auf die großen Kalksteinfliesen, die rund um das ganze Haus liefen. An die Motive kann ich mich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern. Genau so wenig wie an jene, die wir in der ersten Klasse mit bunten Griffeln auf die damals obligatorischen schwarzen Schiefertafeln malten. Nach der Vollendung fielen die Kunstwerke naturgemäß bald dem nassen Schwamm zum Opfer.

Der Zeichenunterricht während der weiteren Schuljahre zeigte, dass das Malen mein Metier war. Künstlerisch ambitionierte LehrerInnen unterwiesen uns Schüler in Zeichnen, Drucken und Malen und förderten auch mein Talent. Besonders gelungen war mir einmal ein Aquarell mit einem Ausschnitt des Boulevard Montmartre. Das Bild gefiel der Lehrerin so gut, dass sie es als Geschenk mit nach Hause nahm.

Einmal durfte ich für eine Ausstellung einer Koch-Abschlussklasse das berühmte Bild der Ramsau, mit Pfarrkirche St. Sebastian und Brücke über die Ramsauer Ache malen. Allerdings waren die Materialen etwas ungewöhnlich: Die „Farbe“ war braune Kuvertüre, die „Leinwand“ Marzipan, und das gesamte Kunstwerk wurde letztendlich irgendwann von Naschmäulern verspeist.

Im süßen Alter von 16 verschlug es mich nach Augsburg. Hier verbrachte ich meine Jugendjahre, stürzte mich ins Teenager-Leben, hatte eigentlich nur noch Jungs im Kopf und mit der Kunst war erst mal Pause. Das Malen beschränkte sich weitgehend auf das Tuschen der Wimpern, das Tönen der Wangen und das Bepinseln der Lippen.

Erst als mein Töchterchen zur Welt kam und das Familienleben die Berufstätigkeit ersetzte, zog es mich wieder hin zum künstlerischen Gestalten. Es entstanden viele Kohlezeichnungen und einige Aquarelle. Plötzlich reifte der Gedanke, auch mal ganz kräftige Farben ins Spiel zu bringen. Ein Geburtstagsgeschenk, bestehend aus einem großartigen Ölfarben-Set und Pinseln war Anlass genug, den ersten Malkurs für Ölmalerei an der Volkshochschule Augsburg, die damals noch am Zeugplatz untergebracht war, zu besuchen. Die Liebe zur Ölmalerei war somit geboren.

Und dann: Bei einem der vielen Besuche bei meiner nun in den USA lebenden Tochter entdeckte ich 1995 BOB ROSS – d e n BOB ROSS! Bob Ross, der alle Welt vor den Fernsehbildschirmen in seinen Bann zog, indem er fantastische Landschaften innerhalb 30 Minuten auf die Leinwand zauberte. Die Ölmalerei nach Bob Ross faszinierte mich sofort. Mit Hilfe ausgefeilter Technik und speziellen Ölfarben war es möglich, wunderbare Landschaftsbilder zu malen. Jetzt begann ich, die Ölmalerei neu zu entdecken.

Meine ersten Malkurse in der Bob Ross®-Technik besuchte ich in den USA in den Jahren zwischen 1998 und 2002.

Kurse bei Ellen Tyre und Bernie Oropallo aus den USA führten 2005 zur Zertifizierung zum Bob Ross®-Instructor für Landschaften.

2006 nahm ich an Lehrgängen im Portrait-Malen bei dem in den USA berühmten Portraitzeichner und Karikaturisten John F. Thamm teil, für die ich ebenfalls Zertifikate erhielt.

Und im Frühjahr 2008 bekam ich nach weiteren Malkursen bei Ellen Tyre und Bernie Oropallo in den Niederlanden die Zertifizierung zum Bob Ross®-Instructor für Blumen.

Einst selber einmal Malschülerin bei der VHS, schlüpfte ich ab Herbst 2005 in die Rolle der Dozentin. Seitdem bin ich als Bob Ross®-Instructor tätig und erteile als Dozentin neben Privatunterricht vor allem an den Volkshochschulen Augsburg und Aichach Malunterricht in der Landschafts- und Blumenmalerei nach Bob Ross®.

Dankbar bin der VHS Augsburg, die mir eine Vernissage und eine anschließende Ausstellung meiner Zeichnungen und Gemälde vom September 2008 bis Februar 2009 in ihren Hallen ermöglichte.

Last but not least:

Herzlichsten Dank an alle meine Malschülerinnen und Malschüler für die Teilnahme an den Bob Ross®-Malkursen!

Danke für Eure Ausdauer und für Eure immerwährende gute Laune und Fröhlichkeit!

H A P P Y   P A I N T I N G,  Eure

L I S A   J O E L L A